Wie ich einmal das Vertrauen in die Bundeswehr verlor

Dieser Artikel soll einer der ersten aus einer neuen Reihe von Artikeln sein. Eine Art Rückblick auf die dämlichsten Momente der letzten Jahre.

Etwas, das IMMER für erstaunte Blicke sorgt, wenn ich davon erzähle, ist das Thema Bundeswehr. “DU warst beim Bund???”, heißt es dann immer. Ja, war ich. 10 Monate meines Lebens lief ich mit grünen Klamotten rum, und in der Rückschau hatte ich einigen Spaß in der Zeit.

Das ist ganz einfach zu erklären: Beim Bund kann man, zumindest in der Grundausbildung, das tun wofür es in Kindertagen immer gerne Ärger gesetzt hat. Rumschreien, im Wald “Soldaten” spielen und sich nach Herzenslust in eben diesem Wald in die Matsche werfen. Außerdem habe ich mich noch nie in einer der zivildienstnahen Branchen gesehen, auch wenn das wohl lässiger gewesen wäre.

Gut, nach der Grundausbildung hält sich diese Art von Spaß in Grenzen, denn man ist dann nicht mehr so oft im Wald. Ich für meinen Teil war im Nachschub eingesetzt und habe acht Monate lang Zettel sortiert, dabei auch schön 20 Kilo zugelegt, aber das soll nicht Teil dieser Geschichte sein.

Wir befinden uns in der Grundausbildung. Meine Einheit ist zum Biwak ausgerückt, heißt überspitzt: Wir gingen zelten. Bundeswehrstyle versteht sich. Weil Platzpatronen gerade knapp waren und scharfe Munition mitunter unvorteilhafte Löcher und Flecken in die Uniform und die Kameraden zaubert, gab es halt keine.

Trotzdem musste im Wald natürlich die Ausbildung weitergehen, die in der Grundausbildung darin besteht, das Kampfverhalten zu lernen. Wie grabe ich ein Loch und vermeide, dass jemand a) bemerkt, dass da überhaupt ein Loch ist und b) feststellt, dass ich darin liege und mit meinem (in dem Fall ungeladenen) Gewehr auf ihn ziele?

An diesem besonderen Tag also haben wir verschiedene Techniken erlernt, sich in sein Loch zu bewegen und sich dabei die Knie aufzuschürfen ohne gesehen zu werden und wie man von dort aus so auf den Gegner schießt, dass der einerseits umfällt und liegen bleibt, seine Mitstreiter andererseits aber nicht abschätzen können, wie viele von uns da nun in ihren Löchern liegen.

In der Praxis gibt es ein Kommando (wie zum Beispiel einen weithin hörbaren Pfiff) und dann schießen alle gleichzeitig auf das vorher anvisierte Ziel. Hatte ich erwähnt, dass wir keine Platzpatronen bekommen hatten?

Dieses Problem wurde ebenfalls bundeswehrstyle gelöst und führte dazu, dass ich dem Verein nicht mehr sooo viel Vertrauen entgegenbringe. Unser Ausbilder hatte uns also die Grundlagen erklärt und bevor wir nun zurück in unsere Löcher kriechen sollten, gab er uns folgende kleine Anweisung mit auf den Schleichweg:

Wir haben gerade einen Fehlbestand an PlatzMun, von daher werden wir die Nummer hier nur simulieren. Rufen Sie nicht “Peng!”, wenn Sie schießen, rufen Sie “Schuss!”, wir sind ja hier nicht im Kindergarten.