Warum ich keinen Glühwein mehr mag

Meine kleine Serie von Erinnerungen ist in der letzten Zeit ein wenig kurz gekommen. Das liegt nicht etwa daran, dass ich keine uralten Geschichten mehr hätte oder dass hier gerade, wie auch schon völlig ungerechtfertigt vermutet, der Blog-Blues einzieht, nein, ich habe gerade schlichtweg keine Zeit.

Die heutige Erinnerung führt uns ziemlich genau fünf Jahre zurück: Ich hatte gerade mein Volontariat angefangen und war bei Antenne West als Mädchen für alles beschäftigt. Mal habe ich moderiert, mal war ich Nachrichtensprecher, mal Redakteur, mal dies, mal das. Und immer wieder war ich alte Rampensau für Außeneinsätze gut. Und so begab es sich also in der Vorweihnachtszeit 2003, dass sich das Marketing-Team eine dufte Sonderwerbeform ausgedacht hat:

Der Antenne West-Weihnachtsmann kommt mit seinen Weihnachtsengeln in Ihr Ladengeschäft, macht lustige Spiele und schenkt hunderte Portionen kostenlosen Glühweins aus. Rate, wer der Weihnachtsmann war. Moi. Kollege HeBi und ich kauften also zwei Tage vor Aktionsstart sämtliche Vorräte an ALDI-Glühwein im Umkreis von 10 km rund um den Sender auf, irgendwer besorgte einen Einkochtopf, den wir zum Erhitzen nehmen sollten, ein Glücksrad gab’s auch und los ging die wilde Party.

Zusammen mit ein bis zwei sowohl schnuckeligen als auch knapp bekleideten Promo-Mädels schlug ich in der Regel gegen zehn bei den Kunden auf, baute meinen Kram auf, erhitzte den Glühwein, zog mich um und startete die CD. Ja, richtig: Die CD. Wir hatten nur eine. Rock Christmas Classics Vol 2. Mit all den tollen Weihnachtshts von “Last Christmas” über “Drivin’ Home for Christmas” bis hin zu “Dear Santa”, die mir i.d.R. schon lange vor dem ersten Advent aus dem Hals hängen.

Die lief dann durch bis ca. 18 Uhr und in der Zeit schenkten wir Glühwein aus, drehten am Glücksrad und ließen die Kunden Weihnachtslieder singen. Lebkuchen gab’s auch und eben Glühwein. Der erste Tag war auch noch total prima, wir hatten Spaß, die Mädels waren nett und dann machte es auch nichts, dass jeder zweite mal mit dem Weihnachtsmann anstoßen wollte.

Abends hatte ich leicht einen im Kahn, aber so ist das nun mal.

Dummerweise hatte das Karma für alle anderen der 15 Termine etwas vorgesehen, das man am Ehesten mit Copy & Paste beschreiben kann. Mensch was war ich froh, dass HeBi mich abends immer noch nach Hause gefahren hat. Ich hätte nun wirklich nicht mehr fahren dürfen. Und vor allem wurde mir ab dem sechsten Termin schon allein davon ganz blümerant, dass wir den ersten Glühwein des Tages aus dem Topf holten.

Bis heute kann ich das Zeug eigentlich weder sehen noch riechen. Beerenpunsch am Tallinn-Stand des Kieler Weihnachtsmarktes geht einigermaßen, aber auch nicht mehr als zwei Tassen.

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