Öffnungszeitendrängelei

Heute Morgen musste ich zur Post. Paket abholen, keine große Sache, mache ich noch schnell bevor ich ins Büro fahre. Dachte ich. Denn das, was ich schon am Supermarkt meines Vertrauens nicht mag, dieser “Ich war aber vor Ihnen da” – “Stimmt ja gar nicht.” – “Trotzdem stehe ich jetzt vor Ihnen.”-Gedanke, schlägt bei der Post in Kiel mitunter recht merkwürdige Bahnen ein.

Folgende Situation: Die Post ist noch zu, man kommt aber schon in einen Vorraum mit Postfächern, Geldautomat etc. Außer mir ist nur noch ein Mann mit zwei Paketen da. Er steht schon lächerlich nah an der Tür. Die Tür ist eigentlich so eine Art Rolltor aus Glas und dahinter ist einer dieser Lamellen-Vorhänge, wie wir sie sonst bestenfalls aus Arztpraxen kennen.

Es geht auf neun zu, der Vorraum füllt sich. Ich denke mir nichts dabei, bis zu dem Moment in dem sich der Lamellenvorhang langsam in Bewegung setzt und ich jemanden sagen höre “So, jetzt geht’s los.”

Langsam bewegt sich a) der Lamellenvorhang zur Seite, b) das Rolltor nach oben und c) der Mob immer näher auf die Tür zu. Ganz vorne: Der Fahrer eines E-Rollstuhls (oder besser elektrischen Gehhilfe), der, eben noch in der letzten Reihe, unbemerkt seinen E-Rolli von Stufe “Schildkröte” auf “Hase” geschaltet hatte. Er prescht vor, drängt eine Schwangere ab, streift mich knapp und kommt mit quietschenden Reifen und ungeduldig aufheulendem Motor vor dem Rolltor zum Stehen.

Das ist mittlerweile schon recht weit oben. Der Typ mit den zwei Paketen bückt sich darunter durch, ich pfeiffe gedanklich Limbo-Musik und Meister E-Rolli fühlt sichwie nach einem Fehlstart an der Ampel: Er geht volles Risiko und versucht, den Paket-Mann in den Ständer mit den Paketen und den Postbank-Überweisungsträgern abzudrängen, doch ohne Erfolg. Der Paket-Mann gewinnt knapp und steht als erster in diesem neuartigen Gang, der in allen größeren Postämtern seit einiger Zeit abgesperrt ist, damit der Service flüssiger abläuft.

E-Rolli bleibt an der Wartelinie stehen, überlegt kurz zu welchem Schaltervogel er gehen will, greift zur Krücke und geht zu Nummer fünf. Alle Nachfolgenden müssen jetzt erst mal über den Rollstuhl klettern um überhaupt in Reichweite des Schalters zu kommen.

Und dann stelle ich fest, dass ich in der falschen Postfiliale bin.