Golf-Buddhismus

Ich habe noch gar nicht über meine neuerlichen Golferlebnisse geschrieben. Beim ersten Turnier des Jahres, einem Tiger & Rabbit in Ahrensburg, habe ich gleich mal den dritten Platz belegt und mein Handicap um 10 Schläge verbessert. Eigentlich ein Grund, das Turnier quasi auf den Schlag genau hier im Blog aufzudröseln und bis ins Detail zu analysieren. Hab ich nicht gemacht. Warum? Weil ich mich bis heute eigentlich kaum über diesen Erfolg freuen konnte.

Gemerkt habe ich das eigentlich bei meinem desaströsen Driving Range-Gehacke von heute Nachmittag und um das ganz genau erklären zu können, muss ich etwas weiter ausholen:

Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich mit dem Golf spielen angefangen. Nach einem Schnuppernachmittag hatte mich der Golfvirus gepackt und es sieht nicht so aus, als wollte ich mich von ihm loslassen wollen. Mein grundsätzliches Wissen über Golf beziehe ich aus diesem Schnuppernachmittag, eine Pro-Stunde hatte ich nie, alles was ich kann, ist autodidaktisch erarbeitet.

Dementsprechend ist das was ich meinen Schwung nenne, ein eher fließendes Konzept. Es gibt Tage an denen ich grottenschlecht spiele und Tage an denen ich spiele wie neulich in Ahrensburg. Nun habe ich vor ein paar Tagen mal wieder etwas neues gelesen, wie man angeblich richtig steht und schwingt und so weiter. Das habe ich heute ausprobiert. Die Beine etwas weiter auseinander, irgendwie ein bisschen anders den Schläger anfassen, passiver in den Handgelenken und dann sollte der Rest von ganz allein kommen.

Um es kurz zu machen: Kam es nicht.

Mir ist natürlich klar, dass man nicht mal eben innerhalb dreier Körbe voller Bälle gleich drei neuralgische Punkte am Schwung verändern kann. Dafür fahren andere wochenlang zu irgendwelchen Golf Academies in einem Mittelmeerstaat oder bemühen einen Schwungdoktor, der die Feinheiten mit ihnen herausarbeitet. Ich tue das nicht.  Diese ganzen Änderungen fühlten sich schon beim ersten Schlag nicht richtig an. Das führt zu nichts.

Natürlich habe ich es zunächst weiter probiert. Vielleicht bringt die ganze Geschichte ja doch irgendwann was. Wenn man es nur oft genug probiert, das spielt sich schon früher oder später ein. Drei Körbe Bälle haben nicht gereicht und das hat mich so sauer gemacht, dass ich beim Putt-Training mich nicht richtig konzentrieren konnte und nur an das Gehacke denken konnte.

Auf der Heimfahrt kam mir dann der erlösende Gedanke: ich muss nicht den perfekten Schwung haben. Es kann mir wurscht sein, was die anderen Golfer denken oder ob mal ein Ball nur 90m weit fliegt, denn ich bin ein Wochenend-Hobby-Golfer, der sich den ganzen Mist selbst beigebracht hat. Und: Ich spiele viel zu wenig, als dass ich mir darum ernsthaft Sorgen machen müsste.

“Golf ist ein Sport, bei dem es nur dich und den Ball gibt”, hat mir mal irgendjemand gesagt. Das heißt auch: Ich muss mich mit meinem Schwung wohl fühlen und ich muss damit klar kommen, was ich an Schlägen fabriziere. Natürlich gibt es Spieler, die weiter kloppen, als ich das tue. Aber who the hell cares? Wenn nicht ich, dann keiner. So.

Was hat das nun damit zu tun, dass ich mich über ein so gutes Ergebnis wie das in Ahrensburg nicht wirklich freuen konnte?

Nun, der Platz ist mit Abstand der leichteste auf dem ich je gespielt habe. Das längst Loch auf den zweiten neun ist so bummelig 120 m lang, wenn überhaupt. Und auch auf den ersten neun Löchern gibt es an und für sich keine echten Komplikationen. Und irgendwie fühlt man sich natürlich nicht so wirklich wie der große Held, wenn man mit einem Handicap von -53 antritt und daher auf einem 85m PAR 3 ganze drei Schläge vor bekommt und dementsprechend für ein Bogey einen Eagle aufschreiben darf.

Und so kam es, dass ich es irgendwie besser fand, bei der Golfpunk Tour in Hittfeld vorletzter zu werden, als dritter bei einem Tiger & Rabbit in Ahrensburg.

Dabei ist das ja Quatsch!

Ich bin immerhin dritter geworden, ich habe mich gegen 24 andere Spieler durchgesetzt, die alle schlechter waren als ich. Und die vor allem größtenteils “richtige” Golfer waren mit regelmäßigen Stunden beim Pro, Golfbesteck für das zehnfache von dem, was ich für meine Gartenhacken ausgegeben habe, usw. usf.

Mir ist jetzt etwas klar geworden: Ich brauche diesen ewigen Wettbewerb nicht. Natürlich werde ich weiter Turniere spielen und natürlich werde ich dabei auch gewinnen wollen, aber ich muss mich dabei letztlich nur mit einem messen: Mit mir selbst. Für mich kommt es ab sofort darauf an, dass ich persönlich gutes Golf spiele, das meinem Niveau angemessen ist. Wenn das dann auch noch zu einem absolut guten Ergebnis führt, ist das prima. Wenn nicht, dann war ich wenigstens einen Tag lang an der frischen Luft und habe mich mit meinem Lieblings-Hobby beschäftigt.

Ich werde jetzt also zum Golf-Buddhisten. Passt auch besser zu meiner Figur.

5 comments on Golf-Buddhismus

  1. Also, ersma haste dich um 7 Schläge verbessert und nicht um zehn. Dann haste an dem Tag einfach mal super gespielt und die Gegebenheiten bewältigt. So wie viele andere (MOI!!) z.B ja schon mal nicht! Da soll, kann und muss man sich auch freuen.
    Und dass du eher der Buddhist und nicht HCP-Hunter bist, ist a) nicht neu und b) völlig richtig!
    Worauf freuen wir uns an den beiden geplanten WE am meisten? Auf die Entspannung, die gemeinsame Zeit und viel zum Lachen. NICHT die krampfhafte Verbesserung unserer HCP. Gut, die Quali fürs Masters muss aber sein 😉

  2. Na, gratuliere! Verbessert ist immer schön. Und immer daran denken: Golf ist ein Spiel, daß man nur spielen, niemals gewinnen kann. Wer damit nicht zu Rande kommt, wird niemals Spaß an diesem Sport haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.