Gesehen: Dein Weg

Originaltitel: „The Way“
Buch & Regie: Emilio Estevez
Länge: 123 Minuten
Produktionsjahr: 2010
Kinostart Deutschland: 21. Juni 2012

Gestern Abend gab es „Dein Weg“ in der Sneak Preview des Studio Filmtheaters. In dem Film geht es um den Augenarzt Tom (Martin Sheen), der nach Frankreich reisen muss, um die sterblichen Überreste seines Sohnes Daniel (Emilio Estevez) zu identifizieren und nach Hause zu holen. Daniel hatte schon mehrere Monate lang die Welt bereist und hat zuletzt begonnen den Jakobsweg zu gehen. Dabei kam er in einem Sturm ums Leben.


(DirektWeg)

Inhalt

Als Tom die persönlichen Sachen seines Sohnes durchsieht, fasst er einen Entschluss: Er wird den Jakosbweg gehen, um seinen toten Sohn zu Ehren. Die Leiche lässt Tom einäschern; er schnallt das Kästchen mit der Asche an Daniels Rucksack und begibt sich auf die Reise. Dabei will er eigentlich allein sein und, so lässt sein Tempo vermuten, den Weg schnell hinter sich bringen. So wirkt Toms Charakter: Er ist ein Mann, der Dinge konsequent erledigt, der sich einen Zeitplan gibt und ihn einhält.

Auf seinem Weg trifft er zunächst den Niederländer Joost (Yorick van Wageningen), einen offenen, freundlichen und warmherzigen Menschen, der den Jakobsweg geht, um vor der Hochzeit seines Bruders etwas Gewicht zu verlieren und weil seine Frau – wegen seines Übergewichts – nicht mehr mit ihm schlafen will. Später kommt die Kanadierin Sarah (Debora Kara Unger) dazu, die vor einem gewalttätigen Ehemann flieht und die mit dem Jakobsweg mit dem Rauchen aufhören will. Das Trio trifft schließlich noch auf Jack (James Nesbitt), einen irischen Autor, der früher mal ein großer Schriftsteller werden wollte, es aber nie geschafft hat und jetzt an einer Schreibblockade leidet.

Auf seiner Reise lernt Tom den Unterschied kennen. Es geht nicht darum, sich für ein Leben zu entscheiden, sondern darum sein Leben zu leben.

Meine Meinung

„Dein Weg“ ist ein sehr schöner Film mit tollen Landschaftsaufnahmen. Ich habe eine Kritik gelesen, in der es hieß, die eigentliche Hauptfigur in „Dein Weg“ sei der Jakobsweg selbst. Und das kommt ungefähr hin: Die Landschaftsaufnahmen sind fantastisch. Ich kann nicht beurteilen, wie realistisch die Erfahrungen des Quartetts sind, weil ich mich mit dem Jakobsweg noch nicht so tief befasst habe. Die Pilgerreise wird als emotionales Erlebnis dargestellt, das Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialer Hintergründe zusammenbringt. Am Rande des Jakobswegs herrscht eine ganz besondere Atmosphäre der Gastfreundschaft, die zumindest Tom stellenweise sehr verwirrt.

Mich hat der Film stark an den „Zauberer von Oz“ erinnert. Ist es im dort ein Wirbelsturm, der Dorothy von zu Hause fortreißt und sie im Land der Munchkins absetzt, wirbelt in „Der Weg“ der Tod seines Sohnes Daniel alles in Toms Leben durcheinander und er findet sich plötzlich in den Pyrenäen wieder. So wie Dorothy der gelben Ziegelsteinstraße folgen muss, um zurück nach Kansas zu kommen, glaubt Tom den Jakobsweg gehen zu müssen, bevor er wieder nach Hause kann. Dorothy trifft auf ihrem Weg einen feigen Löwen, der sich Mut wünscht, eine Vogelscheuche, die gerne Verstand hätte und der Blechmann, der sich ein Herz wünscht. In „Dein Weg“ übernimmt der Niederländer Joost die Rolle des Löwen; er will mit seiner Pilgerreise den Mut finden seine Probleme Übergewicht und die damit einhergehenden Spannungen in seiner Ehe anzugehen. Sarah ist der Blechmann; als sie Tom trifft ist sie kalt und abweisend, weil sie nach der Erfahrung mit ihrem Ex-Mann kein Vertrauen mehr zu Männern hat und Schriftsteller Jack sucht – wie die Vogelscheuche – nach Verstand, guten Ideen und Kreativität.

Nun gibt es in „Dein Weg“ keine fiesen Gegenspieler, fliegende Affen oder Munchkins. Die größten Gegner der Figuren sind sie selbst und ihre selbst auferlegten Zwänge, ihre Sorgen und ihre Nöte. Es geht um den Unterschied zwischen dem Leben für das Du Dich entscheidest und dem Leben das Du lebst. Auf ihrem Weg wird Toms Begleitern klar, dass sie schon längst hatten wonach sie suchten, sie hatten es nur vergessen. Und so wie der Zauberer von Oz dem Löwen, dem Blechmann und der Vogelscheuche erst ein Placebo geben muss, um sie davon zu überzeugen, müssen Tom und seine neuen Freunde erst die Statue des heiligen Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostella berühren, damit ihnen alles klar wird.

Ich mochte „Dein Weg“. Ich mochte die Landschaftsaufnahmen, ich mochte den Gedanken von herzlicher Gastfreundschaft überall und ich mochte auch die kleinen Lacher des Films und die vielen rührseligen Momente. Der ganze Film ist einfach schön.

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