Das Ladekabel

Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen ist, wenn Sie auswärts übernachten. Bei uns läuft es meist so, dass wir gemeinsam alles Notwendige einpacken. Meine Frau überlässt mir dabei den wichtigen Teil: Ich habe dafür zu sorgen, dass alle Ladekabel und die Unterhaltungselektronik an Bord ist, sie selbst kümmert sich um den Kleinkram. Bettwäsche, Kleidung, Zahnbürsten und diesen ganzen tüdelüt.

Das hat auch alles wunderbar geklappt, als wir vergangenes Wochenende zu einer Hochzeit aufbrachen. Wunderbarer Gottesdienst, rauschende Party bis nachts um drei – alles super. Für unsere Übernachtung hatte ich bei unserem Gastgeber die gesamte Unterhaltungselektronik im Wohnzimmer deponiert. Was ich zu dem Zeitpunkt jedoch nicht wusste: Für uns war das Schlafzimmer vorbereitet. Sie ahnen es: Morgens war mein Handy fast leer, das Ladekabel und alle Alternativen, die der Rucksack mit unseren Gadgets geboten hätte, lagen unerreichbar dort, wo unser Gastgeber friedlich schlief. Kein Twitter, kein Facebook, kein Podcast zum Hören, noch nicht einmal der eBook-Reader meiner Frau war greifbar und damit gab es auch keinen Zeitvertreib.

Was macht man eigentlich, wenn man nichts zum herumdaddeln in der Hand hat? Vor fünf bis sieben Jahren hätte ich vermutlich noch eine Antwort auf diese Frage gehabt, aber heute? Aufstehen, rausgehen, Zeitung holen – alles keine Option, weil es stark regnete und so lag ich einfach nur da, während mir langsam klar wurde: Das Ladekabel für das Smartphone rangiert bei uns Nerds irgendwo zwischen Nabelschnur und Fixerbesteck.

 

Dieser Text erschien zuerst als Kolumne auf der Netzwelt-Seite des sh:z.

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