Abmahn-Journalistin Eva C. Schweitzer zieht Forderung zurück

Na das war ja mal wieder was. Da schreibt ein Blogger über einen USA-Artikel der freien Journalistin Eva Schweitzer. Nichts ungewöhnliches, das passiert gelegentlich. Er macht sich keine besonders differenzierten Gedanken dazu und schreibt letztlich nur, dass ihm der Artikel gut gefällt. Seine Lieblingsstelle zitiert er dabei 1:1, setzt einen Link auf den Artikel und macht das Zitat als solches kenntlich.

An und für sich sollte dabei nun nichts sein, worüber man sich aufregen kann. Nicht so in der Welt von Eva Schweitzer, die besagten Blogger durch ihre Anwaltskanzlei abmahnen ließ. Mit einer Pauschale von 1.200 €  sei sie bereit auf weitere Schritte zu verzichten.

Den ganzen Vorgang hat Spreeblick sehr gut zusammengefasst.

Das ist es auch nicht, was mich aufregt. Viel mehr kann ich mich darüber aufregen, was danach passiert ist. Nachdem nämlich der Sachverhalt bei Spreeblick aufgetaucht ist und durch Twitter und Blogs getrieben wurde, hat die Autorin nun im taz-Blog was zu der Geschichte geschrieben. Kurz: Sie lässt die Forderung fallen, weil der Blogger als kleiner Fisch ins Netz geraten sei. Eigentlich sei irgendwer damit beschäftigt, nach unrechtmäßig in Zeitungen und Magazinen auftauchenden Artikel von ihr zu suchen. Sie erklärt das in dem Blogeintrag irgendwie, aber leider so verschwurbelt, dass ich es nicht verstehe.

Der Hintergrund ist der, dass eine Zeitung einen mit 80 € honorierten Artikel von ihr ohne zu fragen an 15 weitere Blätter verkauft hat und damit vermutlich richtig Geld verdient hat. Ohne Frage, was den Punkt angeht, da hat sie Recht, sowas gehört sich nicht.

Aber dass sie über den Blogger schreibt, er habe ihren Artikel “kannibalisiert” und dass sie bis heute nicht wisse, wer er überhaupt sei und vor allem, dass sie letztlich nur aufgrund ihrer Großzügigkeit die Forderung fallen ließe – das kotzt mich an.

Der Stein des Anstoßes ist ein vorbildliches Beispiel dafür, wie tagtäglich mit interessanten  Netzfundstücken umgegangen wird. Sie werden zitiert. Mit Quellenangaben und Links. In der Blogosphäre wohlgemerkt. Der Eintrag von Frau Schweitzer im taz-Blog (Anmerkung 23.06.2018: Wegen des dräuenden EU-Leistungsschutzrechts für Presseverleger und der angeschlossenen LinkTax habe ich den Link zum Artikel nachträglich entfernt.) ist ein sehr deutlicher Beweis dafür, dass Frau Schweitzer das Thema Blogs nicht verstanden hat und dass sie vor allem auch keinerlei Interesse daran hat, sich damit auch nur im Ansatz zu beschäftigen.

Ich verstehe nicht, wieso Frau Schweitzer in einem so arroganten Ton über diesen Vorgang schreibt. Es ist ja nun nicht so, dass jemand mit Frau Schweitzers geistigem Eigentum (Ja, liebe Piraten, das gibt es wirklich!) eine Menge Kohle verdient hätte.

Ich glaube, es ging Frau Schweitzer ohnehin eher darum, noch mal zu erwähnen, dass sie eine Wohnung in New York hat. Und dass es viel Geld kostet, diese sowie die Flotte von Abmahnanwälten zu bezahlen und noch was zum Leben übrig zu haben. Bin ich der einzige, der zwischen den Zeilen zu erkennen glaubt, dass das nur mit dem Schreiben von Artikeln langsam nicht mehr zu machen ist?

Bestimmt.

2 comments on Abmahn-Journalistin Eva C. Schweitzer zieht Forderung zurück

  1. Sehr schöne Zusammenfassung der Ereignisse um Frau Schweitzer.
    Dem letzten Absatz kann ich allerdings nicht zustimmen. Denn wie bereits zu Anfang schon deutlich wurde, werden die Anwälte nicht von Frau Schweitzer bezahlt, sondern i.d.R. von den Abgemahnten. Ob sie nun für den von der Leine gelassenen Kleinblogger die Kosten übernehmen muss, bleibt fragwürdig.

    Letzten Endes ist es ja so, dass Frau Schweitzer nicht nur Blogs nicht verstanden hat, sondern auch das ihr von Softwarefirmen vorgegaukelt wurde, sie müsste/könnte was gegen diese ganzen, bösen Blogger unternehmen, die ihre Texte abkupfern.
    Klingt für mich wie ne Butterfahrt. Wer so naiv ist, zu glauben, dass man ihr was gutes tun wolle, der braucht sich hinterher auch nicht zu wundern, wo denn das liebe Geld geblieben ist.

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