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Schlagwort: Mediengedöns

JSFP054: Brauchtum, Gadgets und wieder Lügenpresse

Ich war dienstlich beim Marner Karneval und privat beim Biikebrennen in Tönning.

 

Die Dauer der Episode 0:36:01Diese Episode erschien am 22. Februar 2015 22:28

Shownotes

Rosenmontag in Marne

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Biikebrennen in TönningDSC_0137

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Das Kleingedruckte:

Diese Episode vom Jörn Schaars feiner Podcast wurde am 22.02.2015 aufgenommen. Veröffentlicht am 22.02.2015 von Jörn Schaar unter Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License-Lizenz. Intro und Outro habe ich aus dem Song "Jenny's Theme" von Jason Shaw zusammengeklöppelt, der das "No Fees. No ©opyright Hassles. Incredibly Free." anbietet. Mit "Partnerlink" gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links zu Amazon oder Thomann. Für jeden Einkauf über so einen Link erhalte ich eine kleine Provision, Du zahlst deswegen nicht mehr.

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JSFP051: Problemlösung

Da ist mir doch bei Folge 50 ein blöder Fehler passiert: ich habe einen Audio-Glückwunsch vergessen. Mea maxima culpa! Die gute Nachricht: Ich habe die Probleme gelöst, die ich mit Youtube und meinen Feeds hatte.

 

Die Dauer der Episode 0:16:46Diese Episode erschien am 1. Februar 2015 23:24

Shownotes

 

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Das Kleingedruckte:

Diese Episode vom Jörn Schaars feiner Podcast wurde am 01.02.2015 aufgenommen. Veröffentlicht am 01.02.2015 von Jörn Schaar unter Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License-Lizenz. Intro und Outro habe ich aus dem Song "Jenny's Theme" von Jason Shaw zusammengeklöppelt, der das "No Fees. No ©opyright Hassles. Incredibly Free." anbietet. Mit "Partnerlink" gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links zu Amazon oder Thomann. Für jeden Einkauf über so einen Link erhalte ich eine kleine Provision, Du zahlst deswegen nicht mehr.

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Lieblinks (5)

Facebook like (© Owen W. Brown, CC BY 2.0-Lizenz)
Facebook like (© Owen W. Brown, CC BY 2.0-Lizenz)

Die wöchentliche Sammlung von Links, die ich in den letzten Tagen auf Twitter, Facebook und Google+ geteilt habe. Heute erstmals mit einem Podcast und außerdem den werblichen und politischen Konsequenzen aus dem Slomka/Gabriel-Interview, Fraktus, halbnackten Tänzern im Auge des Orkans, Haien, geplanter Obsolenz, Olympia-Boykott, Fotoanalysen, DHL und vielem mehr.

  • Medienkuh 156
    Dominik Hammes und Kevon Koerber besprechen Medienthemen, nennen im Vorbeifliegen die Online-Abteilung der Fachzeitschrift werben & verkaufen olle Klickhuren, weil sie immer mit halbgaren Artikeln auf Webtrends aufspringen, um Klicks zu ziehen, und sie führen ein kurzweiliges Interview, in dem es um die Forderung nach einer Abschaffung des Rundfunkbeitrags geht. Das startet bei 17’23” und ist erstaunlicherweise gut 12 Minuten lang, kam mir kürzer vor.
  • Apropos “Klickhuren”: Was Slomkas Gabriel-Interview für die Werbebranche bedeutet
    Die Chuzpe für so einen Artikel muss man erstmal haben. Aber sehr schön, dass die Online-Redaktion der werben & verkaufen gleich den Nachweis für die These der KuH-Jungs liefert. #allebekloppt
  • Tanz den Xaver-Style!
    Bei der Berichterstattung über das Sturmtief Xaver musste es natürlich auf allen Kanälen bierernst zugehen. Reporter guckten ernst, nickten ihr verständnisvolles Katastrophengebiets-Nicken und waren superseriös. Da wäre es doch schade, wenn im Hintergrund zwei halbnackte Typen den Gangnam-Style tanzen würden…
  • Und ein paar Tage später: Ute Lawrentz trifft die Flitzer
  • Fraktus bei Alles Kino
    Die Mockumentary über die Band die den Techno erfunden hat, steht gerade komplett und völlig kostenlos zum Angucken zur Verfügung. Dauert aber auch 96 Minuten, der Spaß.
  • Gauck boykottiert olmpische Spiele
    Unser Bundespräsident hat die Eier, die dem DOSB und der bundesdeutschen Spitzenpolitik fehlen: Er boykottiert die Spiele in Sotschi, um gegen Menschenrechtsverletzungen und die Drangsalierung der Opposition zu protestieren.
  • 5 Tonnen Pakete am Tag
    Eine lesenswerte Reportage über den Alltag eines DHL-Boten, die die andere Seite des Paketscheins eindrucksvoll beleuchtet.
  • Geplante Obsolenz in Geräten
    Der Klassiker: Rein zufällig gehen alle möglichen Geräte ganz kurz nach der Garantiezeit kaputt. Die Reparatur lohnt sich angeblich meist nicht. “Doch”, sagt ein Mann aus Wien, gründet ein Reparaturcafé, bringt damit 300 Menschen in Arbeit und vermeidet 15.000 Tonnen Abfall.
  • Location Matters (engl.)
    Wired über die Technologie, aus der Bildkomposition von Schnappschüssen Rückschlüsse auf soziale Beziehungen zu ziehen: “Best friends tend to stand together in pictures”.
  • Yeah, science! Haie können Deinen toten Winkel entdecken (engl.)
    Haie wurden dabei beobachtet, dass sie sich ihrer Beute aus deren toten Winkel näherten. Das konnte experimentell nachgewiesen werden und “raises intriguing questions not only about shark behavior, but also about the mental capacity of sharks”. Bäm!
  • Yeah, science, die Zweite: Marsstrahlung aushaltbar
    Kieler Forscher haben die Curiosity-Mission der NASA zum Mars mit einem Strahlenmessgerät bereichert. Erste Ergebnisse zeigen: Die Strahlung auf dem Mars ist zwar sehr hoch, aber für Menschen aushaltbar. Einer bemannten Mission steht ihrer Meinung nach nichts im Wege. Außer natürlich der ethischen Frage, ob man Astronauten einer so hohen Strahlung aussetzen möchte.
  • Seehofer beklagt zu wenig Hofberichterstattung Qualitätsverlust in den Medien
    Horsti möchte nicht, dass Journalisten kritische Fragen stellen. Die sollen wohl lieber zum Verlautbarungsjournalismus der 60er Jahre zurückkehren, als die Welt noch in Ordnung war.
  • 26.000 Teddybären auf dem Eis (Achtung: Link geht zu bild.de)
    Beim traditionellen Teddywerfen nach dem ersten Tor eines ganz bestimmten Spiel der Calgary Hitmen wurde in diesem Jahr ein Rekord aufgestellt: 26.000 Teddybären flogen während des Spiels auf’s Eis und werden nun einem guten Zweck gespendet. Der Teddyhagel dauert immer mehrere Minuten, das Video knapp eine. Nerviger bild.de-Nervkram sind Werbespots vor und hinter dem eigentlichen Video.
  • 1.000 Dithmarscher ertrinken lassen, um 100.000 Hamburger zu retten?
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Lokalradio in Schleswig-Holstein: Mehr Vielfalt oder Sargnagel für die Etablierten?

Das Thema tauchte nun schon zweimal in meinen Lieblinks auf: Lokalradio in Schleswig-Holstein. Die Landespolitik, das NDR-Medienmagazin ZAPP sowie große, kleine und potentielle Radioanbieter beschäftigt das Thema sehr. Seitens der Politik gibt es etwa seit dem Sommer die grundsätzliche Bereitschaft, in Schleswig-Holstein auch Lokalradios zulassen zu wollen. Das bringt Zeitungsverleger und die landesweiten, privaten Radiosender auf die Zinne und es sorgt für Enthusiasmus bei denen, die sich etwa auf Sylt oder rund um Ratzeburg teils schon seit Jahren für Lokalradio engagieren. Am Montag hat sich zudem das Lokalradionetzwerk Radiogroup zum Thema geäußert, ich möchte an dieser Stelle mal die Pro- und Contra-Argumente beleuchten und versuchen, sie einzuordnen.

Geplant sind seitens der Landesregierung Lizenzen für zunächst zwei kommerzielle, private Lokalradios. Eines auf Sylt und eines in Ratzeburg. (Leider ist die darin erwähnte Studie der MA HSH online nicht verfügbar.) Auf Sylt gibt es bereits zwei lokale Webradios, in Ratzeburg strengt sich ein Betreiber sehr an, dort auch auf UKW senden zu dürfen und hat dazu sogar eine Studie bei Ex-Alsterradio-Inhaber Ulrich Bunsmann in Auftrag gegeben. Ergebnis: Nicht leicht, aber machbar.

Gegner: Zeitungsverlage und etablierte Radiosender

Die Medienholding Regiocast mit den drei landesweiten Privatradios r.sh, Radio NORA und delta radio hat sich schon früh in einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden der Parteien im schleswig-holsteinischen Landtag gewandt, den Patrick Breyer (Piraten) in seinem Blog veröffentlicht hat. Darin heißt es unter anderem, dass die Werbelandschaft in Schleswig-Holstein drei landesweite und zusätzliche lokale Radiosender wirtschaftlich nicht tragen könne. Die Verfasser bauen folgendes Szenario auf: Wenn Lokalradios in Schleswig-Holstein lizensiert werden, buchen bisher regional orientierte Kunden ihre Werbung nicht mehr länger regionalisiert bei den großen Sendern, sondern tragen ihr Geld lieber zum Lokalradio vor Ort. r.sh rechnet stellvertretend für die anderen beiden Sender des Hauses mit Einnahmeausfällen von rund zwei Millionen Euro pro Jahr.

Weiter führt die Regiocast die Meinungsvielfalt an, die durch Lokalradios keinen entscheidenden Beitrag erfahren würde. Im Wesentlichen stützt sich diese Befürchtung auch auf die Wirtschaftlichkeit der Sender:

Die Produktion meinungsrelevanter Inhalte jedweder medialen Aufbereitung (TV, Radio, Print, Online) ist kostenintensiv. Wort, insbesondere meinungsrelevantes Wort, ist in der Radioproduktion der teuerste Programmbestandteil. Dies gilt insbesondere für lokale Themen, da deren journalistische Aufbereitung zumeist nicht durch Nachrichtenagenturen wie dpa vorbereitet wird. Keine journalistisch saubere, personalintensive Aufbereitung lokaler Themen wäre hingegen das reine Verlesen von Pressemitteilungen oder die ungefilterte Verwendung anderweitig interessengeleiteter Kommunikation. Im Gegenteil: Ein derartiges Handwerksverständnis, was [siehe unten] im Lokalfunk in Deutschland gerade in kleineren Lokalstationen vielfach zu beobachten ist, führt den Gedanken der objektiven, journalistischen Publizität und Meinungsrelevanz ad absurdum.
Die Produktion zumindest stündlicher Iokaler Nachrichten im Tagesprogramm erfordert die Beschäftigung von mindestens drei Nachrichtenredakteuren. Weitere, Lokalinformationen „sammelnde“ Reporter sowie Moderatoren sind notwendig, um auch nur in die Nähe von Meinungsrelevanz zu kommen.

Der Brief schließt mit einem – wie ich finde – unverhohlenen Erpressungsversuch:

Gleichsam drückt sich die über viele Jahre geschaffene Verbundenheit der R.SH-Gruppe/REGIOCAST mit seinem .Stamm-Bundesland” unternehmerisch auch darin aus, dass rund 50 Mitarbeiter in Kiel für Radiostationen außerhalb Schleswig-Holsteins tätig sind: dies obwohl REGIOCAST daneben Standorte in deutlich medienaffineren Städten wie Hamburg, Frankfurt oder Berlin unterhält.

Als weitere Gegenargumente werden im Anhang ein transskribierter ZAPP-Beitrag über den Radiogroup-Lokalsender “Antenne Kaiserslautern”, ein Artikel über ein NRW-Lokalradio, das aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste, und die eigene regionale Berichterstattung angeführt. Dazu komme ich noch.

Befürworter: Die Lokalradio-Kette Radiogroup

Anfang dieser Woche veröffentlichte Patrick Breyer ein Positionspapier “Pro Lokalfunk” der Radiogroup auf seinem Blog. Die Verfasser stellen darin den Lokalfunk als uneingeschränkte Erfolgsgeschichte dar und sprechen die meines Erachtens etwas steile These aus, dass Schleswig-Holstein locker 14 kommerzielle, private Lokalradios tragen könne. Besonders schön ist der Hinweis, dass es in den USA rund 10.000 lokale Radiosender gebe und dass dies für großes, ungenutztes Lokalradiopotential für Deutschland spreche. (Auf die Idee muss man natürlich erstmal kommen.)

Anders als die Regiocast argumentiert die Radiogroup, dass zwar der Anteil von Radio am Werbemarkt insgesamt mit 5% sehr gering sei, die Umsätze der deutschen Radios zuletzt aber gestiegen seien. Auch der Kostendeckungsgrad von Lokalradios sei – einer im Positionspapier verlinkten Studie der BLM zufolge – mit 108 bis 119% durchaus zufriedenstellend.

Dabei hat der Privatfunk in Bayern mir dem Bayerischen Rundfunk einen starken Mitbewerber im Werbemarkt, der täglich 128 Minuten auf 5 werbetragenden Programmen senden darf. Die Radio Group mit 11 Sendern in Rheinland-Pfalz hat mit dem SWR einen Marktteilnehmer, der sogar 177 Minuten auf 5 Programmen machen darf. Der NDR hat nur ein einziges werbetragendes Programm mit einem Limit von nur 60 Minuten Werbung pro Tag. Entsprechend größer sind in Norddeutschland auch die Potenziale für privaten Hörfunk.

Die von der Regiocast gestreute Angst vor dem Abwandern zahlreicher regionaler Werbekunden tritt die Radio Group mit ihren eigenen Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz entgegen:

Bei Markteintritt eines weiteren Senders ist zudem zu beobachten, dass alle Akteure gewinnen. Bei Sendestart von sechs der Radio-Group-Sender in Rheinland-Pfalz 2008 konnte der Mitbewerber RPR 1 sowohl an Reichweite als auch an Umsätzen zulegen. Die neuen Sender haben offensichtlich bis dahin nicht ausgeschöpfte Potenziale erschlossen. Tatsächlich schalten über 80 % der Werbekunden der Radio Group keine Werbung selbst auf den regionalen Fenstern von RPR 1 (analog zu RSH), weil auch das kleinere Sendegebiet immer noch zu hohe  Streuverluste bedeutet. Dies gilt für sehr viele Gewerbetreibende, die nur ein sehr eingeschränktes Einzugsgebiet haben, wie z.B. Gastronomie, Handwerk, Apotheken, Ärzte, Anwälte und  den überwiegenden Teil des kleinen und mittleren Einzelhandels.

Weiter führt die Gruppe an, dass es nach dem Start von Antenne Kaiserslautern einen spürbaren Qualitätszuwachs beim landesweiten Wettbewerber RPR 1 und der Lokalzeitung gegeben habe und dass eine Studie der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt den Lokalradios der Radio Group bescheinige, “im Hinblick auf die Qualität, insbesondere des lokalen,  informierenden Wortprogramms, und auf die Nutzung im lokalen Hörermarkt sehr gute Ergebnisse (zu) erzielen”.

Nicht alles Gold was glänzt

Die besagte Lokalfunkstudie stammt aus dem Jahr 2010 und ist lediglich eine Umfrage unter den Hörern der Sender. Man kann hier also nicht von einer Untersuchung der Inhalte sprechen, auch wenn die Radiogroup das ein wenig so darstellt. Plakativ formuliert bildet die Studie die “gefühlte Qualität” ab. Dass es mit der Qualität, insbesondere des lokalen, informierenden Wortprogramms offenbar anders aussieht, als es die Hörer der Programme wahrnehmen, zeigte besagter ZAPP-Beitrag im April 2013, den die Regiocast in ihrem Brief an die Fraktionsvorsitzenden in seiner transskribierten Form anfügt.

Natürlich lobt sich auch die Regiocast selbst über den grünen Klee. Über die eigene publizistische Leistung heißt es:

R.SH schaltet mindestens 5x am Tag seine Programme zum Teil mehrfach (!) auseinander, und dies nicht nur in die Regionen Nord und Süd, sondern in bis zu fünf verschiedene (!)  Regionen im Land.  (Anm.: Interpunktion von denen)

Damit sind zunächst die Regionalnachrichten gemeint, die mit etwa 2 Minuten Länge montags bis freitags tatsächlich fünf mal täglich ausgestrahlt werden. Radio Nora und delta radio regionalisieren ihre Nachrichten jeweils vier mal täglich, delta radio rechnet auch täglich vier Ausgaben des regionalisierten Veranstaltungskalenders mit in die publizistische Leistung ein. Eine nicht besonders aufwändige Stichprobe ergibt: Für die Regionalnachrichten werden zwei inhaltlich unterschiedliche Nachrichtensendungen produziert, die rollierend wiederholt werden. Damit reduziert sich die publizistische Leistung in der regionalen Berichterstattung um mindestens 50%.

Was passiert da nun inhaltlich?

Die Regionalnachrichten aller drei Sender werden vom selben Sprecher präsentiert. Dementsprechend ist keine dieser Sendungen eine originäre Eigenleistung des jeweiligen Senders. Die publizistische Leistung eines jeden Senders reduziert sich dadurch noch weiter. Ich habe in letzter Zeit immer mal wieder verschiedene Ausgaben der Regionalnachrichten für die Region Flensburg/Sylt/Heide gehört. Das ist zwar Standard,  handwerklich sauber, aber letztlich Agenturjournalismus, der mit telefonischen O-Tönen aufgepeppt wurde. Eigene Geschichten habe ich dort bislang nicht gehört, inwiefern eine echte Themenrecherche im Tagesgeschäft dieser Nachrichtenproduktion überhaupt möglich ist, kann ich nicht einschätzen. Da sich in Heide zwei Sendegebiete überschneiden, kann ich ebenfalls sicher sagen, dass es auch nur einen Sprecher für die verschiedenen Regionalisierungen gibt. Da ist also ein Mitarbeiter mit (laut Regiocast) fünf Regionen und drei Sendern beschäftigt. Der kann sich natürlich sehr großzügig bei den landesweiten Nachrichten bedienen, zum Teil laufen Meldungen in den jeweiligen Hauptnachrichten und werden eine halbe Stunde später wortgleich in den Regionalnachrichten wiederholt – nur eben von einem anderen Sprecher. Eines jedoch kann er nicht: Sich in eine Region einarbeiten, echte Kontakte aufbauen und eigene Themen recherchieren. Das kann Lokalfunk aber. Reporter vor Ort schaffen sich Netzwerke, sind in der Region bekannt und bekommen so Wind von Themen, bevor sie durch die Agenturen laufen.

Fazit

Schleswig-Holstein braucht mehr publizistische Vielfalt. Ich kann in dem Punkt ein Argument der Radiogroup vollumfänglich unterschreiben:

Die Medienlandschaft in Schleswig-Holstein ist von einer sehr hohen Konzentration geprägt. Der Großteil der Gemeinden wird nur von einer einzigen Tageszeitung versorgt, die wiederum zumeist den Markt für werbefinanzierte Wochenzeitungen beherrscht und das größte lokale Online-Angebot betreibt. Weiterhin sind diese wenigen Zeitungsverlage die größten Gesellschafter bei den drei landesweiten Radiosendern. Diese werden aus einer Hand (MACH 3) vermarktet und produziert (Radiozentrum Kiel). Schon laut Konzentrationsbericht der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) in einer Fallstudie über Radio Schleswig-Holstein, liegt also unter dem Gesichtspunkt der Vielfalt keine optimale Struktur vor“. Der Bericht kommt zu dem Schluss: „Dies gilt für RSH insbesondere in Norddeutschland.“ Nach Ansicht von Dr. Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), ist die Medien- und damit die Meinungsvielfalt besonders im lokalen Bereich stark gefährdet. Auch das  KEK-Mitglied, Prof. Dr. Dieter Dörr, hat in einer Rede bei der Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) vor der bestehenden Gefahr zunehmender Medienkonzentration gewarnt.

Das allein ist das Wichtigste Argument für die Zulassung vieler Lokalradios. Es ist dann eine Frage der Medienaufsicht und der Lizenzauflagen, ob und wie ein echter publizistischer Mehrwert entstehen kann. Entscheidend ist, dass die Lizenzkommission den Anbietern den Zuschlag für die Sendelizenzen gibt, die sich schon jetzt vor Ort engagieren. Ein ehemaliger Geschäftsführer eines Radiogroup-Senders hat mir im persönlichen Gespräch einst gesagt “Es gibt Low Budget-Sender, wir sind ein No Budget-Sender” und das lasse ich jetzt mal unkommentiert so stehen.

Dass die Landesregierung die ganzjährig wirtschaftlich attraktiven Märkte ausklammert und stattdessen nur auf Sylt und Ratzeburg setzt, kann nur als Einknicken vor Verlagen und Regiocast verstanden werden. In Städten wie Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster wirtschaftlich tragfähig und thematisch vielfältig zu arbeiten ist nach meiner Einschätzung überhaupt kein Problem. Die Macher auf Sylt und in Ratzeburg werden sich sehr stark strecken müssen.

Aber bitte nicht falsch verstehen: Selbst in einem vergleichsweise kleinen Markt kann man grundsätzlich ein wirtschaftlich tragfähiges Lokalradio betreiben, davon bin ich überzeugt. Wichtig ist natürlich, sich nicht zu verrennen. Ein Lokalradiobetreiber muss sich ganz zwingend auf seine Kernkompetenz Lokaljournalismus konzentrieren. Das bedeutet im Einzelnen:

  • Deutschland/Welt-Nachrichten extern einkaufen. Dienstleister gibt es genug, die Möglichkeiten der Radioautomation ermöglichen es, die Nachrichten nahtlos ins Programm einzufügen.
  • Musikplanung extern einkaufen. Es wäre zwar wünschenswert, einen eigenen Musikredakteur zu beschäftigen und individuell zu planen, das kostet aber zu viel.
  • Keine 24/7-Moderation. Macht die Konkurrenz auch nicht und ab spätestens 20 Uhr hören nur noch die 5 Taxifahrer der Nachtschicht zu. Ein Kernprogramm von 6.00 bis 18.00 Uhr fast ausschließlich mit lokalen Inhalten zu füllen, ist schon Arbeit genug.
  • Landes- und bundesweite Vermarktung durch externe Dienstleister. Das bringt viel und kostet wenig eigenes Personal.

In der Außenwahrnehmung wird durch Hörer oft erwartet, dass ein Lokalradio einem landesweiten Mitbewerber ernsthafte Konkurrenz machen muss und dass er auch die öffentlich-rechtlichen Sender in der Hörerbeliebtheit hinter sich lassen muss, um sich selbst zu rechtfertigen. Das kann man im Augenblick sehr schön bei der Diskussion um den Radiogroup-Sender Antenne Frankfurt sehen, in der unter anderem auch völlig absurde Forderungen nach Ü-Wagen-Einsätzen gestellt werden. Ein Lokalradio kann es sich überhaupt nicht leisten, eine so hochpreisige Technik vorzuhalten. Das muss man als Macher aushalten und dann kann macht Lokalradio auch in einem kleinen Sendegebiet riesigen Spaß.

Disclaimer: Ich habe bei einem Sender der Radiogroup mein Volontariat absolviert, war danach für mehrere Jahre freier Mitarbeiter sowohl bei delta radio als auch in der Nachrichtenredaktion der Regiocast und verdiene mein Geld mittlerweile beim NDR. Meine Meinung zum Thema hat jedoch nichts mit meiner früheren oder jetzigen Beschäftigung zu tun.

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Warum nur, warum?

Ludiwgsburger Filmstudenten haben als Diplomarbeit einen Werbespot für Mercedes produziert. Handwerklich und inhaltlich prima, schöne Schlusspointe – und trotzdem wollte Mercedes damit nichts zu tun haben. Dabei geht das Ding eigentlich ganz gut los: es ist professionell produziert, gut geschnitten, der Sound stimmt und das Auto bzw. seine automatische Bremsfunktion steht selbst beim Plot-Twist in meinen Augen ganz hervorragend da. Trotzdem setzte Mercedes durch, dass deutliche Hinweise in den Film eingebaut werden wonach der Clip nichts mit Mercedes zu tun hat und auch nicht vom Unternehmen als Werbespot authorisiert wurde:

  
(DirektBremse, via)

Eines muss ich den Filmstudenten jedenfalls lassen: Sie verstehen ihr Handwerk und ganz ehrlich gesagt würde ich diesen Film wahnsinnig gern sowohl auf der Cannes-Rolle als auch im Werbeblock des Kinos meines Vertrauens sehen.

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