Kürzlich bekam ich eine SMS mit folgendem Inhalt:
+4915252020729: Hi, Ich bin Monique Liem, ich bin Anwältin. Ich möchte Geld in Ihrem Land investieren und brauche Hilfe.Kontakt unter: m.liem@robertmcallisterpartners.com
Im ersten Moment zweifle ich an der Seriösität dieser Kontaktanbahnung, denn von allen Menschen bei denen man sich Tipps zu Anlagemöglichkeiten in Deutschland holen kann, stehe ich vermutlich eher im hinteren Mittelfeld. Zwar noch ein gerüttelt Maß vor einem durchschnittlichen Dschungelcamp-Teilnehmer, aber eher hinten. Hinzu kommt, dass Robert McAllister & Partner eine internationale Rechtsanwaltskanzlei mit Büro unter anderem in Berlin ist und dass der Laden witzigerweise Steuer- und Anlageberatung im Portfolio hat. Was also könnte eine Mitarbeiterin dieser Firma bewegen, ausgerechnet mit mir, ausgerechnet per SMS Kontakt aufzunehmen und mich überdies um Hilfe bei einem Investitionsvorhaben zu bitten? Ausgerechnet mich? Klingt mein Name für Anwaltsohren womöglich nach “Chef der nigerianischen Staatsbank”? Wie wir wissen, sitzt der arme Mann auf Koffern voller Kohle, die er ständig per Email anbietet, aber nicht los wird.
Sei’s drum, meine große Stunde ist gekommen. Jemand sucht meine Hilfe bei einem offenbar großformatigem Investitionsvorhaben. Das KANN und werde ich nicht per SMS oder Email abarbeiten. Mein Plan steht schnell fest: Ich muss mit Monique Liem persönlich Kontakt aufnehmen!
Erstes konspiratives Telefonat
“Die Nummer der Berliner Niederlassung von Robert Mcallister und Partner ist schnell recherchiert”, dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn. Stimmt aber gar nicht. Google verweist nur auf die Kanzleiseite, weder auf das-oertliche.de noch mit Hilfe von gelbeseiten.de ist ein Eintrag zu finden. Also entstaube ich mein Schulenglisch und wage den Anruf in der Londoner Hauptstelle.
Meine Überraschung ist entsprechend groß, als niemand ans Telefon geht. Minutenlang tönt das Freizeichen, plötzlich ein Knacken in der Leitung und (Hier bitte dramatische Musik einfügen!) eine deutsche Stimme, die mir sagt, ich sei mit der Vodafone-Mailbox einer Nummer verbunden, die mit 0174 beginnt. Ich lege auf. Verschreckt, verunsichert starte ich eine erneute Googlesuche.
Googeln (oder Googlen – welche Schreibweise stimmt?)
Auch der Cross-Check mit mehreren Suchmaschinen ergibt das gleiche Muster: Die Anwaltskanzler Robert McAllister & Partners taucht nur mit ihrer eigenen Domain in der Suche auf. Der Name wird weiter unten in der Liste noch für diverse Filmfiguren und einen Arzt angegeben. Wie jeder gute Rechercheur gehe ich nun einen Schritt weiter und tue etwas, auf das der gemeine Internetnutzer nie kommen würde: Ich schaue mir auch die Seiten zwei und drei der Ergebnisliste von Google an.
Auf Seite drei finde ich einen weiteren Hinweis. Ein Robert McAllister hat 1992 in Denver jemanden so erfolgreich in einer Wahlbetrugssache verteidigt, dass es im Anschluss Champagner und Konfetti für alle gab. Denver? Nicht London? Irrelevant, wie sich herausstellt, denn angesichts von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen McAllister gab er nur neun Jahre später seine Zulassung als Anwalt ab und wurde im November unter anderem wegen Betrugs und Geldwäsche verurteilt und gegen eine Kaution von 25.000 $ entlassen.
Kann das wirklich der Robert McAllister sein, der zusammen mit seinen Partnern eine Rechtsanwaltskanzlei in London mit Außenstellen in Berlin und Madrid betreibt?
Weitere Ungereimtheiten
Eine whois-Abfrage der Domain robertmcallisterpartners.com irritiert mich:
Date Registered: 2012-8-11
Date Modified: 2012-11-8
Expiry Date: 2013-8-11
DNS1: ns1-president.vivawebhost.com
DNS2: ns2-president.vivawebhost.com
Registrant
Clerk Host: Ammar Munaf
Email:![]()
Sf#4 shopping center dhoraji colony
74800 Karachi
Pakistan
Tel: +92.923222202733
Pakistan? Auslaufdatum der Domain am 11.8.2013? Und überhaupt erst seit August online? Das passt mit den Ermittlungen gegen Robert McAllister aus Denver zusammen? Aber Pakistan? Und wer ist dieser Ammar Manuf? Ein Anagramm von “Mama Rum Fan”, ja, aber das hilft mir auch nicht weiter, denn ich möchte das ganz große Geld verdienen. Per SMS.
SMS-Gespräch zwischen Monique Liem und mir
Mir bleibt keine Wahl: Ich muss auf die SMS von Frau Lier antworten. Im folgenden werde ich den Gesprächsverlauf protokollieren. Um das Ganze übersichtlicher zu gestalten, färbe ich die SMS von Frau Liem grünlich ein und meine gelblich.
Hi, Ich bin Monique Liem, ich bin Anwältin. Ich möchte Geld in Ihrem Land investieren und brauche Hilfe.Kontakt unter: m.liem@robertmcallisterpartners.com
Email ist zu unsicher, lieber SMS.
Worum geht es, wie kann ich helfen?
Auch drei Tage später habe ich noch keine Antwort. Soll ich Frau Liem vielleicht mal anrufen? Was meint Ihr?






“Papa, ich geh zum Zirkus” ist – glaube ich – das erste eBook, das ich je gelesen habe. Keine Ahnung weshalb, aber bisher konnte ich mich dem Medium eBook gegenüber noch nicht recht erwärmen. Und das obwohl ich tagtäglich stundenlang Sachen am Bildschirm lese – warum sollte ich das nicht auch mit Büchern tun?