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Mitmachen! Bloggen für Einsteiger

Sascha Lobo hat es auf der re:publica XII ausgerufen: “Lasst uns 2012 zum Jahr der Blogs machen!“; während meiner Nachtschicht im Newsflöz las ich nun Steffens Werbung für’s bloggen, die (unter gleichem Titel wie bei mir) in seinem Blog kaffeeringe.de auftauchte. Mein erster Gedanke war “Sind Blogs das richtige Medium, um Leute zum bloggen zu bringen?”

Sie sind es. Aber nur indirekt. Denn um jemanden zum bloggen zu bringen, müssen wir den Umweg über Facebook nehmen. Dort ist alles super einfach; wenn man sich erstmal an die Fallstricke mit Datenschutz, Clickjacking und dem Thema der Privatsphäre auseinander gesetzt hat, kann man sehr leicht einen Leserkreis für sich erschließen. Man kann seine Freunde bzw. Leser mit kurzen Statusupdates unterhalten und kann sie auf interessante Stellen in diesem Interwebs hinweisen. Man kann Urlaubs- und Familienbilder zeigen, seinen Musik- und Filmgeschmack mit der Welt teilen und und und. Ganz einfach, fast intuitiv und vor allem: Ganz schnell.

Was wir Netzafficionados und Bloggererer jetzt schaffen müssen: Wir müssen all denen, die (noch) nicht bloggen, zeigen dass sie genau das gleiche auch mit einem eigenen Blog hinbekommen können. Mit dem Unterschied, dass es in Blogs keine Zeichenbegrenzung für Statusupdates gibt und dass sie Bilder, Videos und Audiodateien beliebig im Text arrangieren können, wenn sie denn bloggen.

Der Unterschied macht die Musik

Steffen findet in seinem Blogpost über’s bloggen quasi im Nebensatz einen ganz entscheidenden Punkt, der vielen vermutlich nicht ganz klar ist:

Noch ein­fa­cher und mit einer leb­haf­ten Com­mu­nity drum herum ist Tum­blr. Da soll­test Du aller­dings beden­ken: Was bei Tum­blr ist, bleibt bei Tum­blr. Mein Blog hier, betreibe ich selbst seit 2004 und in der Zwi­schen­zeit musste jeder bei MyS­pace sein und dann bei Stu­diVZ und jetzt bei Face­book, aber mein Blog gibt es immer noch. Wie das mit Tum­blr in 5 Jah­ren aus­sieht, weiß man nicht.

Ganz, ganz wichtig, zumindest für mich! Meine Inhalte sollen da sein, wo ich allein Zugriff auf sie habe. Auf “meinem” Webserver, in meiner Datenbank und eben nicht vollständig in Palo Alto oder San Francisco. (Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich automatisiert jeden Tag einen Blogpost mit meinen Tweets des Tages anlegen lasse.) Denn den Gedanken mit tumblr  kann man natürlich auch auf Facebook übertragen. Über kurz oder lang wird es Facebook genau so ergehen wie MySpace und studiVZ: Es wird irgendwann ein Nischendasein fristen und in unserem digitalen Leben nicht mehr relevant sein. Früher oder später wird auch Facebook den Weg alles Irdischen gehen und abgeschaltet werden. Mit ihm die ganzen wichtigen Status-Updates, Bilder usw. usf., die kaum jemand von uns irgendwie gesichert hat.

Mit einem eigenen Blog geht das. Das schlimmste was passieren kann, ist dass die Firma pleite geht in deren Rechenzentrum der Server steht auf dem die Blogsoftware läuft. Dafür gibt es automatische Backups, die man sich via Plugin per Mail o. ä. schicken lassen kann, aber das führt jetzt schon wieder zu weit.

Warum soll ich mit bloggen anfangen?

Jeder hat etwas zu erzählen. Jeder kennt gute Geschichten, jeder hat etwas das ihn antreibt und das er gern mit der Welt teilen möchte. Es gibt Blogs zu allen denkbaren Themen! Wenn Dein Thema die Zucht von Landschildkröten ist, bitte blogge darüber! Lass die Welt teilhaben an dem, was Du über die Zucht von Landschildkröten weißt. Zeige Deine Zuchterfolge und gib Anfängern Tipps, was sie im Umgang mit ihrer Landschildkröte beachten müssen. Vielleicht interessierst Du Dich aber auch für die Herkunft von Straßennamen, Ahnenforschung, Segelflug, Fliegenfischen, regionale Geschichte oder auch einfach dafür was vor Deiner Haustür passiert.

Eine mögliche Analogie ist mir heute wieder in der Nachtschicht eingefallen. Auf zweien der sechs Fernseher in der Nachrichtenredaktion liefen ab Mitternacht diese Telefonsex-Werbespots. Mir ist aufgefallen, wie wenig mich das Thema Telefonsex interessiert und dass ich einfach nicht zur Zielgruppe gehöre. Andererseits ist mir aber auch aufgefallen, wie unterschiedlich die Interessen sind, die dabei bedient werden: Es gibt für alles einen Markt, es gibt kaum eine (in Deutschland legale) sexuelle Vorliebe, die nicht zumindest im Werbespot angerissen wird. Ich will dabei gar nicht so sehr ins Detail gehen, dazu reicht ein nachmitternächtlicher Blick in den heimischen Fernseher, aber dieses Prinzip kann man fast 1:1 auf Blogs übertragen! Es gibt für alles einen Markt, ich möchte sogar behaupten, dass es kein Themengebiet gibt, mit dem sich weltweit nur ein Mensch beschäftigt. Gäbe es zum Beispiel weltweit nur einen Züchter für Landschildkröten, deren Verbreitung als Haustier wäre sicher deutlich geringer.

Es gibt unglaublich viele wunderbare Hobbies und Interessensgebiete, es gibt nur zu wenig Menschen, die darüber schreiben. Noch ein Zitat von Steffen:

(..) Blog­gen macht man vor allem für sich selbst. Leser sind ein net­ter Bonus. Und deren Feed­back die Krö­nung. Ein Blog ist also so eine Art öffent­li­ches Denk-​Tagebuch. Es ist auch immer wie­der span­nend, Monate oder Jahre spä­ter zu lesen, was man mal gedacht hat und wie sich die Dinge ent­wi­ckelt haben.

Ich schreibe in meinem Blog ausschließlich über Dinge, die mich interessieren. Es ist mein Blog, mein “Denk-Tagebuch”. Natürlich gibt es hier auch Einträge, die für Publikum geschrieben sind und bei denen es mich maßlos ärgert, wenn sie niemand liest. Aber das allermeiste von dem was ich hier schreibe, schreibe ich für mich. Weil es mich interessiert.

Und das kannst Du auch. Jeder kann das. Niemand erwartet einen täglichen Seelen-Striptease und/oder pulitzerpreisverdächtig recherchierte und geschriebene Geschichten. Hab Spaß an dem was Du machst und erzähle der Welt davon. Der Rest kommt von allein.

Aber, aber, aber …

Die ganzen Abers lasse ich nicht gelten. Zeit ist kein relevanter Faktor, denn ein paar Minuten für einen schnellen Blogpost kann man immer abzwacken. Und wenn es gerade mal wirklich nicht geht oder man – was im Übrigen völlig legitim ist, denn bloggen ist immerhin nur ein Hobby – wochenlang einfach keine Lust hat, sich um sein Blog zu kümmern, dann macht das gar nichts. Mach Dir deswegen keinen Kopf, es gibt schlimmeres als das und es gibt wichtigeres, als ein Blog. Irgendwann stolperst Du im Netz oder im echten Leben über etwas und das wird dann unbedingt in Dein Blog müssen.

6 Comments

  1. Wahre Worte, deswegen habe ich sie auch auf allen Social Networks geteilt 😉

    Nein, im Ernst: Bloggen ist tatsächlich beständiger und wichtiger als all die Plattformen. Die leben letztlich auch irgendwie von den anderen Ecken, aus denen der wirkliche Content kommt.
    Aus meiner Erfahrung kann ich zudem sagen: Wenn man seine Nische gefunden hat, muss man nicht einmal mit Facebook starten. Es geht auch so!

  2. Hey, cool!

    Und welches sind die Posts bei dir, die ich unbedingt whrgenommen haben sollte? ich würde die dann mal brav als Danke nacharbeiten. 😉

    • Ich bin ja selten so sachlich bzw. metathematisch mit Anliegen unterwegs. Ich glaube, da findet sich nichts. 😉

  3. Du weißt, dass ich auch ein Herz für Kokolores habe. Überrasch mich. 😉

  4. Ein schönes Plädoyer fürs Bloggen. Fängt man damit erst einmal an, macht es riesig Spaß. Und abgesehen davon, dass man für andere etwas schreibt, hat man mir dem eigenen Blog auch noch ein wunderbares, selbstgestaltetes Archiv. Besser geht’s gar nicht.
    LG, Susanne

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