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Gesehen: Der Gott des Gemetzels

Nachdem ich viele sehr gute Kritiken einerseits aus berufenem professionellem Munde, andererseits auch aus dem Freundeskreis darüber gehört habe, konnte ich gestern Abend endlich selbst Roman Polanskis neuesten Film “Der Gott des Gemetzels” ansehen.

Die Grundgeschichte handelt von zwei 11jährigen Jungs, die sich auf einem Spielplatz im Brooklyn Bridge Park in die Wolle kriegen. Im Verlauf des Streits schlag einer der beiden Jungs dem anderen mit einem Stock ins Gesicht. Der Film handelt nun von den Eltern der beiden Jungs, die sich ganz zivilisiert über Schuld- und Haftungsfragen austauschen.Der Trailer fasst das schön zusammen:


(DirektTrailer)

Der Film ist doch deutlich lustiger, als der Trailer vermuten lässt. Zumindest wurde im Kino recht viel gelacht und es stimmt ja auch: Die ständigen Unterbrechungen durch das Handy sind zum Beispiel ganz großartig. Mitten in der Unterhaltung vibriert es und sofort erstarrt die ganze Gruppe, bis das Telefonat beendet ist. Höflichkeit, zivilisierte Umgangsformen und ein gewisser Gemeinschaftssinn sind beiden Paaren sehr wichtig und so versuchen sie anfangs noch, ihren Ärger über den Vorfall (bzw. darüber, dass in der Form aufarbeiten zu müssen) so diplomatisch wie möglich zu verpacken. Zwischendurch blitzen aber immer wieder die jeweiligen Beziehungsprobleme auf, Koalitionen ändern sich und reihum bekommt jeder Mal den Zorn aller zu spüren.

Klasse fand ich, den eigentlichen Vorfall der Prügelei buchstäblich in den Hintergrund zu rücken: Wir sehen die beiden Jungs nur aus der Entfernung und gänzlich ohne Ton. Dadurch wird erst nach und nach klar, was eigentlich passiert ist und was die Gründe dafür waren. Ob es sich allerdings wirklich so zugetragen hat, wie sich die Eltern gegenseitig erzählen, bleibt auch für den Zuschauer unklar. Im Nachhinein – und das wird mir tatsächlich erst jetzt beim Schreiben völlig klar – finde ich es auch gut, dass der Film bei den Charakteren nicht so recht in die Tiefe geht. Genau wie die Elternpaare selbst, lernen wir die Figuren erst im Lauf des Films immer besser kennen und können uns so die jeweilige Motivation vorstellen. Andererseits erfahren wir auch nicht so ganz genau, was die Eltern immer so antreibt. Einiges bleibt eben doch verborgen, ganz wie im echten Leben, wo man den Leuten ja auch nur bis vor die Stirn gucken kann.

Was fehlt ist einerseits ein richtiges Ende, eine Lösung des Konflikts. Wenn ich mich nicht völlig verguckt habe, sieht man die beiden Jungs am Ende des Films schon wieder friedlich zusammen spielen, während sich die Eltern noch streiten, aber da das auch wieder nur aus der Entfernung und ohne Ton gezeigt wird, ist das vielleicht einen Hauch zu subtil. Ich denke auch, dass das Bühnenstück von Yasmina Reza vielleicht noch etwas Stoff geboten hätte. Der Streifen ist so kurzweilig, dass 79 Minuten Spielzeit doch etwas arg kurz erscheinen. Angucken lohnt sich jedenfalls.

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