Wir werden niemals für Essen bezahlen. Denn das haben wir bisher auch nicht getan.

Warum nur diejenigen Unternehmen den Sprung ins Nahrungsmittelbusiness 2.0 schaffen werden, die diese simple Erkenntnis verinnerlicht haben: Nach dem Klick.

Auch wenn sich mittlerweile hier und da etwas tut: Noch immer jagt die alte Nahrungsmittelindustrie (es entwickelt sich ja längst eine neue) den Ladendieben hinterher, noch immer gibt es Abmahnungen, Gerichtsprozesse, Hausverbote, und noch immer suchen Teile der Branche nach einer Antwort auf die Frage, wie man in heutigen Zeiten Geld mit dem Verkauf von Essen verdienen soll.

Dabei ist die Antwort ganz einfach:
Gar nicht.

Ich habe in den 70ern Teller und dazu passendes Besteck gekauft. Zusätzlich habe ich mir einen Herd und viele, viele Töpfe gekauft, in denen ich auf dem Herd gekocht habe, um das Ergebnis dann Freunden (okay: Freundinnen) zu servieren.

Später in den 80ern habe ich mit eine Mikrowelle zugelegt und unglaublich viele Tupperdosen; teilweise habe ich sogar Tupperdosen gekauft, in denen genau das gleiche Essen drin war, wie in meinen Konservendosen und auf den nicht mehr ganz so leeren Tellern. Damals wie heute habe ich außerdem Geld ausgegeben für einen Esstisch und Töpfe und Kochmagazine … ich kann also ohne Übertreibung behaupten, dass ich in meinem Leben schon viel Bares bezahlt habe für die Kultur rund ums kochen.

Nur für das Essen selbst habe ich nie bezahlt. Sondern immer nur für die Möglichkeit, genau das  essen  zu können, was ich essen wollte, und zwar wann und wie ich will und am besten auch noch wo ich will. Ich habe Geld bezahlt für verschiedene Möglichkeiten rund ums Essen, ich habe Geld ausgegeben, um das von mir favorisierte Essen kochen zu können und nicht dem Geschmacksdiktat von Restaurants oder Imbissbuden ausgesetzt zu sein. Ich habe mein Geld in Kochkurse, Zubehör und Hardware investiert.

Und genau das tue ich heute noch: Seit den 90ern kaufe ich Tiefkühlessen und Teflonpfannen und Backbleche und Auflaufformen und lasse mein Geld bei Lieferdiensten, um das Essen, das ich essen will, jetzt und sofort genießen zu können. Ich bezahle Geld dafür, jederzeit beinahe jedes Essen der Welt zu essen, um meine Rezepte mit anderen zu teilen oder um mein Lieblingsessen auf kürzestem Wege Freunden zu servieren. Dafür gebe ich Geld aus. Aber nicht für das Essen selbst. Weder gestern noch heute noch morgen.

Ich glaube, dass dies der Kern der Krise desjenigen Teils der Nahrungsmittelbranche ist, der noch immer glaubt, er würde Essen verkaufen. Die Branche steht meiner Meinung nach keiner Verendung, sondern einer Veränderung gegenüber; erkennt sie dies, wird sie überleben und mehr Geld verdienen als jemals zuvor.


Dieser zugegeben stellenweise etwas wirre Artikel ist eine Antwort auf Johnny Haeuslers “Wir werden niemals für Musik bezahlen“. Sicher, Johnny spricht grundsätzlich gute Argumente an, wenn er schreibt, dass das meiste Geld des Musik-Konsumenten für Dinge wie Konzerte und CDs drauf geht, die erwiesenermaßen per se keine Musik sind. Aber das Argument, dass er deswegen nichts für die Musik bezahlt – das kann ich nicht nachvollziehen.

Wer eine CD kauft, bezahlt ja nicht umsonst mehr als den reinen Materialwert. Wer einen Song bei Musicload kauft, zahlt nicht nur für die Serverkosten. Und wer ein Konzert besucht, der bezahlt nicht ausschließlich Roadies, Bühnenequipment, Security und Saalmiete.

In allem was wir zahlen müssen, um Musik hören zu können, ist doch der Künstler und seine Arbeit an einem Song bereits eingepreist. Genau so, wie an einer Packung Tiefkühlschnitzel auch immer der erzeugende Landwirt mitverdient. Da ruft komischerweise niemand “Skandal, ich will mein Tiefkühlschnitzel umsonst im Großmarkt mitnehmen können!” und niemand, der bei klarem Verstand ist, würde behaupten, dass er beim Kauf einer Packung Tiefkühlschnitzel nur den Karton und die Lieferlogistik bezahlt hat und es die Schnitzel als Goodie obendrauf gab.

Warum also sollte man behaupten, noch nie für Musik bezahlt zu haben?